ZUSAMMNEFASSUNGEN

56 Jahrgang,

2005,

Heft: 1-4

WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE

Der Karst auf der Erzwies, Bad Hofgastein (Salzburg)
Giorgio Höfer

Die Erzwies ist ein Plateau im oberen Angertal bei Bad Hofgastein, das zwischen 2200 und 2500 m Seehöhe liegt. Sie ist aus 10 bis 20 m mächtigen Karbonaten der Angertalmarmore aufgebaut. Zahlreiche Karsterscheinungen zeigen eine Anlage an je ein NNE-SSW- sowie E-W-streichendes Kluftnetz. Einfaltungen von Quarzitschiefern in den Marmor verursachen Karstphänomene wie z.B. Poljendynamik mit Quellbildung, Erdfällen und Schwinden. Alle Gewässer wurden hinsichtlich Schüttung, Leitfähigkeit, pH-Wert und Temperatur erkundet. Es zeigt sich, dass Karstwässer eine Leitfähigkeit von mehr als 100 µS/cm bei einem pH-Wert von knapp über 8 haben, während Oberflächenwässer und Quellwässer im Granit eine Leitfähigkeit von rund 60 bis 90 µS/cm und einen pH-Wert kleiner 8 aufweisen. Ein Höhlensystem, die „Silberpfennighöhle“ (2586/10), ist für die zur Verfügung stehende Bildungszeit zu groß, da tektonische Ansätze zur Hohlraumbildung fehlen. Die Lösungshohlräume könnten ihre Existenz und Größe chemischen Prozessen im Zuge der Oxidation von Eisenerzen während der Karstbildung verdanken.


Karsthydrogeologisch-speläologische Untersuchungen in der Hallstätter Zone von Ischl – Aussee (Oberösterreich, Steiermark)
Hans Jörg Laimer

Der Beitrag behandelt den Karst der Hallstätter Zone von Ischl – Aussee und ihrer nördlichen und westlichen Randbereiche. Die karstmorphologischen und speläologischen Ergebnisse einer hydrogeologischen Dissertation über das österreichische Karstvulnerabilitätskonzept werden dargestellt. In der Hallstätter Zone unterlagern permotriassische Mergel und Evaporite geringmächtige Trias- und Malmkalk-Schollen. Diese Lagerungsverhältnisse bedingen die Bildung eines seichten Karsts ohne nennenswerte Wasserspeicherung in den Aquiferen. Die Karstmorphologie wird von Formen des voralpinen Karsttypus dominiert, wobei der ständige lithologische Wechsel zur Ausbildung von Kontaktkarst führt. Im seichten Karst erlangen Ponordolinen und aktive Wasserhöhlen mit linearem Grundriss die größte karsthydrologische Bedeutung. Die Höhlen der Hallstätter Zone entwässern kleine, gut abgrenzbare Einzugsgebiete und weisen eine mehrphasige Speläogenese auf. Höhlenniveaus konnten nicht identifiziert werden.


Erfolgreicher Versuch einer Höhlendetektion mit Georadar (GPR)
Michael Behm, Lukas Plan, Karl Heinz Roch

Dieser Artikel beschreibt die versuchsweise Anwendung von Georadar (GPR) zur Ortung einer bekannten und vermessenen Höhle, der Güntherhöhle (2921/2) am Hundsheimer Berg, Niederösterreich. Durch den bekannten Verlauf der Höhle besteht eine gute Möglichkeit zur Verifizierung des Messergebnisses. Der 20 – 30 m unter der Oberfläche liegende Hohlraum bildet sich mit klar erkennbaren Reflexionen im Radarbild ab. Der Hohlraum ist eindeutig zu identifizieren, für eine genauere Lage- oder Formbestimmung reichte die räumliche Auflösung der Messanordnung jedoch nicht aus. Als erstaunlich erweist sich das gute Signal-Rauschverhältnis und die daraus resultierende hohe Erkundungstiefe (>25 m) der 40-MHz-Antennenkonfiguration.


Neue Erkenntnisse zur Vorgeschichte der Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth, Nördliche Frankenalb, Süddeutschland
Wilfried Rosendahl

Die Nutzung der Zoolithenhöhle (D 109) durch den eisenzeitlichen Menschen war auf Grund von Scherbenfunden aus der Schutthalde vor der Höhle seit langem bekannt. Die Radiokarbon-Datierung eines Ascherestes, welcher einem Scherben anhaftete, bestätigt die eisenzeitliche Zuweisung und macht erstmals eine Eingrenzung auf die Hallstattzeit möglich. Eine markante Aschelage in der obersten Sinterschicht des vorderen Höhlenteiles wurde ebenfalls datiert. Das Ergebnis zeigt, dass diese Lage nicht mit den eisenzeitlichen Funden korrespondiert, sondern auf eine bisher nicht bekannte Nutzung der Höhle im ausgehenden Mesolithikum hinweist.


Ausgewählte Braunbärenfunde aus Höhlen im Alpenraum
Doris Döppes, Martina Pacher

Die beschriebenen Braunbärenfunde stammen aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz. 18 Knochenproben wurden mit der 14C-Methode (AMS oder konventionell) und eine mit der U/Th- Methode datiert. Es erfolgt eine Kurzbeschreibung der Fundstellen mit Angaben zum Braunbärenfund und zur Datierung. Anschließend werden die 19 alpinen Braunbärenfunde, die vom Übergang des Pleistozäns zum Holozän bis ins Mittelalter reichen, im klimatischen Kontext dargestellt und besprochen.


Die Bären der Brieglersberghöhle (1625/24)
Gernot Rabeder, Michael Hofreiter, Eva Maria Wild

Neue genetische Analysen brachten das überraschende Ergebnis, dass die Bärenhöhle im Brieglersberg (Totes Gebirge, Stmk.) nicht, wie zu erwarten war, vom „Rameschbären“ (Ursus spelaeus? eremus) bewohnt worden war, sondern vom „Conturinesbären“ (U. spelaeus? ladinicus), der bisher nur von den Dolomiten bekannt war. Durch eine Neuaufnahme des Fossilmaterials wurde versucht herauszufinden, ob die taxonomischen Unterschiede auch morphologisch zu erkennen sind. Mit einer 14CAltersbestimmung nach der AMS-Methode (rd. 50.000 Jahre v.h.) konnte auch der geologische Zeitrahmen abgesteckt werden, in dem die beiden Taxa nebeneinander im Toten Gebirge gelebt haben.


Neue paläontologische Daten von der Bärenhöhle im Hartelsgraben (1714/1), Gesäuseberge, Steiermark
Gernot Rabeder

Die bei der Grabung 1986 geborgenen Höhlenbärenreste aus der Bärenhöhle im Hartelsgraben werden einer morphologischen Analyse unterzogen und mit anderen Bärenfaunen verglichen. Nach den metrischen und morphodynamischen Daten war diese Höhle im Mittelwürm von einer großwüchsigen Bärenform bewohnt, die dem sogenannten „Gamssulzenbären“ (Ursus ingressus Rabeder & al., 2004) am nächsten steht.


Der Naturzustand der österreichischen Höhlen – Vollerhebung in den Testgebieten Hochtor, Bürgeralpe und Anningeras Untertagelabor in den Obir-Höhlen
Eckart Herrmann

Eine Vollerhebung des Naturzustandes von insgesamt 120 Höhlen eines hochalpinen, eines voralpinen und eines randalpinen, im Nahbereich einer Großstadt-Agglomeration gelegenen Gebietes zeigt erhebliche Differenzen im Ausmaß der menschlichen Einflussnahme auf den unterirdischen Naturraum. Während im hochalpinen Vergleichsgebiet nur marginale Beeinträchtigungen durch Almwirtschaft, Tourismus (sowie Forschung) feststellbar sind, blieb im gut zugänglichen großstadtnahen Gebiet kaum eine Höhle unverändert. Die schwerwiegendsten Eingriffe gehen hier aber nicht vom erheblichen Besucherdruck durch Naherholung und Höhlentourismus aus, sondern wurden vom Rohstoffabbau verursacht, der 9 von 24 registrierten Höhlen veränderte, aufschloss oder vollständig abtrug. Über die Anzahl der insgesamt vernichteten Höhlen können nur mehr Vermutungen aufgrund der historischen Literatur angestellt werden. Als unerwartet hoch zeigen sich die Veränderungen in den Höhlen des voralpinen Testgebietes, wobei hier die touristische Erschließung neben der Flächenbewirtschaftung – vor allem der Forstwirtschaft – eine bedeutende Rolle spielt. Insgesamt war die Belastungsspitze offenbar in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bedeutende Höhlen und solche mit großen Eingängen sind stark von menschlichen Eingriffen betroffen, wodurch außerhalb des Hochgebirges fast nur mehr unbedeutende Höhlen mit sehr kleinen Eingängen unberührt blieben. Wohnnutzung ist generell ein historisches Phänomen, und die unmittelbare Beanspruchung für Verkehrszwecke blieb bis heute gering. Gleichzeitig zeigt sich an Detailergebnissen, dass jedes Höhlengebiet ein sehr spezifisches Belastungsbild aufweist. Der Natur- und Höhlenschutz ist angesichts der Ergebnisse dringend aufgerufen, gebietsspezifisch charakteristische Objekte bzw. nach verschiedenen Gesichtspunkten bedeutsame Höhlen auszuwählen und diese abweichend von der bisherigen Praxis durch stark differenzierte, an die jeweilige Gefährdungscharakteristik des Gebietes und den jeweiligen Schutzzweck angepasste Maßnahmen der Nachwelt zu erhalten.

FORSCHUNGSBERICHTE

Die Klarahöhle im Sengsengebirge (Oberösterreich)
Helmut Steinmassl

Die Klarahöhle liegt im Nationalpark Kalkalpen, im Besitzbereich der Österr. Bundesforste AG und wurde im Herbst 1999 von Heli Steinmassl entdeckt. Kilometerlange tunnelartige Gänge in einem bisher nicht bekannten Horizontalniveau, gewaltige Hallen und ein bereichsweise außerordentlicher Tropfsteinschmuck mit etlichen Riesentropfsteinen machen diese Riesenhöhle zu einem ganz besonderen Schatz im Herzen des Nationalparks. Innerhalb nur viereinhalb Jahre konnte das Forscherteam (die Windischgarstner Forschergruppe des Höhlenvereins Sierning) eine Gesamtlänge von 23.018 m vermessen und weitere zwei Kilometer erkunden. Durch die behutsame Vorgehensweise bei der Erforschung ist diese Tropfsteinhöhle unberührt und ursprünglich geblieben. Sensible Bereiche wurden mit Absperrbändern versehen, um sie vor den Forschern selbst zu schützen. Die Höhle ist im April 2005 – mit strengen Auflagen versehen – unter Schutz gestellt und mit einem Gitter verschlossen worden. Ein Betreten der Höhle ist nur mit einer Befahrungsgenehmigung der Naturschutzbehörden sowie der Zustimmung des Besitzer möglich. Sie bietet nicht nur Forschern und Wissenschaftlern ein interessantes Betätigungsfeld, sondern lässt auch den Nationalpark Kalkalpen um eine ganze Dimension reicher werden.


Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem (1623/40)
Robert Winkler

Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem (1623/40a-ak, kurz SMK-System) ist mit einer vermessenen Gesamtganglänge von über 56 km momentan die viertlängste Höhle Österreichs. Im Folgenden werden das System, das Forschungsgebiet sowie der aktuelle Forschungsstand im SMK-System grob beschrieben.


Sechzigster Kilometer in der Dachstein-Mammuthöhle (1547/9)
Michael Behm, Lukas Plan

In der seit 1910 bekannten und in ihren tagnahen Bereichen als Schauhöhle geführten Dachstein-Mammuthöhle (OÖ, 1547/ 9a-t) konnte Ende 2004 der sechzigste Kilometer Ganglänge erreicht werden, womit sie weiterhin die drittlängste und vierttiefste Höhle Österreichs darstellt. Der folgende Artikel beschreibt die Forschungen und daraus gewonnene Erkenntnisse der letzten 10 Jahre.


Die Gamskar-Eishöhle (1511/709) im Tennengebirge – In nur zwei Jahren zur Riesenhöhle
Peter Pointner

1998 wurden im Zuge einer Oberflächenerkundung im Nordrücken des Tennengebirges auf 1600 m Seehöhe mehrere Eingänge eines neuen Höhlensystems entdeckt. Nach den ersten Forschungen wuchs die Höhle auf 1 km Länge. Fünf Jahre später gelang es G. Schwarzenberger sen. und P. Pointner, über ein kletterbares Gangfenster die Hauptfortsetzung zu entdecken. Seitdem konnten über 5 km durchwegs horizontale, dem Riesenhöhlenniveau zuordenbare Gänge entdeckt werden. Der bisherige Höhepunkt der Erkundung war die Entdeckung der 85 m langen und 75 m breiten Olympiahalle. In der Höhle finden sich an verschiedenen Stellen Strudeltöpfe und Augensteinsedimente, die auf einen früheren starken Wasserdurchfluss schließen lassen.


Zwischenbericht über die aktuellen Forschungen in der Schwarzen Lacke bei Eisenerz, Steiermark
Robert Seebacher

Das zwischen den Ortschaften Hieflau und Eisenerz gelegene Wassermannsloch (1741/6) ist die bedeutendste Karstquelle im Südwesten des Hochschwabmassivs. Der wohl seit sehr langer Zeit bekannte, zeitweise sehr starke Quellaustritt erweckt bereits 1747 erstes höhlenkundliches Interesse. Der Gesandte des Kaisers, Joseph Anton Nagel untersuchte das Karstobjekt und verfasste eine Handschrift darüber. Der vorliegende Bericht beschreibt neben der frühen Forschungsgeschichte hauptsächlich die von 1995 bis 2005 vom Verein für Höhlenkunde in Obersteier im Rahmen des Projektes „Aquarius“ erzielten Ergebnisse. Mit einer Gesamtlänge von 1.084 m stellt das Wassermannsloch die zurzeit längste hinter einem permanenten Siphon vermessene Höhle Österreichs dar.