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ZUSAMMNEFASSUNGEN
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58 Jahrgang, 2007, Heft: 1-4 |
WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE
Eisdickenmessungen in alpinen Höhlenmit Georadar
Michael Behm, Helmut Hausmann
Im Rahmen des von der Akademie der Wissenschaften geförderten Projektes AUSTRO ICE CAVES 2100 wurde die Dicke ausgedehnter Bodeneisvorkommen in drei hochalpinen Höhlen (Eisriesenwelt/Tennengebirge, 1511/24, Dachstein-Mammuthöhle, 1547/9, und Dachstein-Rieseneishöhle, 1547/17) bestimmt. Ausgehend von Erfahrungen bei Gletschermessungen kam dabei als Messmethode das Georadar zum Einsatz. Es zeigte sich, dass Georadar hervorragend für unterirdische Eisdickenmessungen geeignet ist. Die bestimmten Eismächtigkeiten variieren zwischen 2 m und 15 m. Weiters konnten auch Schichtungen innerhalb der Eiskörper identifiziert werden.
Wurmförmige Excentriques mit ungewöhnlichem
Calcitgefüge Untersuchungenmit der Elektronen-Rückstreu-Beugungs-Methode
Detlev K. Richter, Rolf D. Neuser
Wurmförmige (vermiforme) Excentriques eines
inzwischen zerstörten Seitengangs der
Großhöhle Breitscheid-Erdbach (Hessen)
sind häufig nicht als Calcit-Einkristall aufgebaut,
sondern weisen eine polykristalline
Calcitstruktur auf. Mit der Elektronen-Rückstreu-Beugungs-Methode (electron backscatter
diffraction, EBSD) ergibt sich ein
leistenförmiger Aufbau der Calcitkristalle,
wobei die c-Achsen annähernd in Längserstreckung
der Excentriques orientiert sind.
Es zeigt sich ein Gefüge aus in Wachstumsrichtung divergierend angeordneten Fasern,
wobei drei in sich divergierend aufgebaute
Teilsegmente unterschieden werden können.
Die stärkste Abweichung von der Längserstreckung
ergibt sich mit 18° im äußeren
Bereich in der Mitte der Teilsegmente der
Excentriques.
Der komplexe interne Aufbau und die konische äußere Form des Spitzenbereichs der
Excentriques unterstreichen für diese Zone
eine spezielle externe Calcitanlagerung, wobei
die Anwesenheit von Biofilmen angenommen
wird.
Neue Knochenfunde aus dem Moosschacht (2836/237)
auf der Tanneben bei Semriach, Steiermark
Martina Pacher
Beschrieben werden die neuen Faunenreste aus dem Moosschacht aus den Jahren 2003 und 2004. Insgesamt sind nun fünf äugerarten nachgewiesen, deren zeitliche Einstufung noch unsicher ist. Aufgrund der Erhaltung sind die Knochen als fossil bis subfossil anzusprechen. Das Vorkommen vom Reh und die geringere Größe des Rothirsches machen einen Eintrag der Reste in einer wärmeren Phase nach dem letzten Vereisungshöhepunkt wahrscheinlicher, während Murmeltiere auf einen kälteren Zeitabschnitt hindeuten.
Der Murmeltierschacht (2836/239) bei Semriach
(Steiermark) und seine Knochenfunde
Heinrich Kusch, Martina Pacher
In der vorliegenden Arbeit werden erste Forschungsergebnisse aus dem neu entdeckten Murmeltierschacht (2836/239) bei Semriach vorgestellt. Diese derzeit 23 m lange und 9 m tiefe Höhle wurde teilweise von den eingelagerten Sedimenten freigelegt, die fast alle Räume bis an die Decke auffüllten. An Funden wurden bislang hauptsächlich Knochen des Murmeltiers (Marmota marmota L.) geborgen. Die Verteilung der Reste lässt darauf schließen, dass die Knochen mit dem Schwemmsand in die Höhle transportiert wurden. Ein radiometrisches Datum ergab ein Alter der Reste von 14.575 ±45 BP. Die Funde passen sowohl zeitlich als auch metrisch zu den zahlreichen Resten der Murmeltiere im südostalpinen Raum. Im ausgehenden Hochglazial und im Spätglazial waren Murmeltiere ein typisches Faunenelement im Grazer Bergland und den angrenzenden Beckenlandschaften.
FORSCHUNGSBERICHTE
Polnische Forschungen in den Höhlen Salzburgs
Teil 1: Die Erfolge der Krakauer Höhlenforscher (KKTJ)
Andrzej Ciszewski, Walter Klappacher
Seit mehr als 30 Jahren bearbeiten polnische
Höhlenforscher in Zusammenarbeit
mit dem Landesverein für Höhlenkunde in
Salzburg die Karstgebirge des Landes Salzburg.
Im vorliegenden ersten Teil eines
zweiteiligen Beitrag sollen die großen Leistungen
der Polnischen Kameraden erstmals
in einer umfassenden Dokumentation
präsentiert werden.
Dieser Teil behandelt die Expeditionen der
Krakauer Forscher unter Leitung von A. Ciszewski
in den Leoganger Steinbergen und
am Kitzsteinhorn, sowie die Ergebnisse
zweier kleinerer Forschungsziele in den
Loferer Steinbergen und im Tennengebirge.
Von überregionaler Bedeutung ist die seit
mehreren Jahrzehnten durchgeführte systematische
Erforschung des Lamprechtsofens
und seiner Einzugsgebiete in den
Hochregionen der Leoganger Steinberge.
Mit mehr als 50 km Ganglänge und 1632 m
Gesamttiefe gehört der Lamprechsofen zu
den bedeutendsten Höhlensystemen der
Alpen.
Die Feichtner-Schachthöhle am Kitzsteinhorn
zählt mit 1145 m Tiefe und 5,5 km
Ganglänge zu den bedeutendsten Höhlen
der Zentralalpen und ist wegen ihrer Ausbildung
im Kalkglimmerschiefern von
Interesse.
Die Schneekegelhöhle als Teil des Almberg-Höhlensystems
(1624/18)
Thomas-Michael Schneider, Thomas Bayn
Die Schneekegelhöhle (ehemals 1624/110
a-b) liegt in den Grundlseer Bergen im
westlichen Toten Gebirge. 1978 wurde die
Höhle zufällig im Rahmen einer Exkursion
entdeckt und noch im gleichen Jahr vollständig
erforscht und vermessen. Scheinbar
ohne Aussicht auf weitere Neuentdeckungen
geriet sie danach lange Zeit in Vergessenheit.
Seit Sommer 2004 hat sich die Forschungsgruppe
Höhle und Karst Franken
(FHKF) aus Nürnberg mit Unterstützung
durch den Verein für Höhlenkunde in Obersteier
(VHO) ihrer eingehenden Erforschung
verschrieben. Durch große Neulandgewinne
wurde eine Nachvermessung der gesamten
Schneekegelhöhle nötig, die in den
Jahren 2005 und 2006 durchgeführt
wurde. Aufwändige Vermessungsarbeiten
an der Oberfläche ermöglichten die exakte
Lagebestimmung der Höhleneingänge und
bilden die Grundlage für die neue Plandarstellung
im Atlassystem. Inklusive neuentdeckter
Teile beträgt die Gesamtganglänge
der Schneekegelhöhle Ende 2006 bereits
1986 m, bei einer Gesamttiefe von –258 m.
Zwei Verbindungen mit der benachbarten
Almberg-Eis-und-Tropfsteinhöhle (1624/18
a-b) im August 2006 ergaben das jetzige
Almberg-Höhlensystem (AHS; 1624/18 a-d)
mit derzeit 8279 m Länge.
Die Almberg-Eis-und-Tropfsteinhöhle wurde
zuletzt in den 1960er und 70er Jahren
systematisch erforscht. Bis auf eine
Gesamtganglänge von 6.293 m wurde sie
damals begangen und vermessen (Auer,
1962; Hasenmayer & Wunsch 1970;
Hasenmayer & Wunsch, 1968). Eine Neuvermessung
und Plandarstellung im Atlassystem
ist für die kommenden Jahre
geplant. Neben der Erforschung und Vermessung
neuer Höhlenteile steht auch die
Erfassung klimatologischer Daten sowie die
Untersuchung der Höhlenfauna auf der
Agenda.
Forschungen 1993 2006 im Burgunderschacht (1625/20,
Totes Gebirge, Stmk.)
Michael Behm, Alex Klampfer, Lukas Plan
Der in der Tauplitz–Schachtzone am Südrand
des Toten Gebirges gelegene Burgunderschacht
(1625/20 a-ai) war bereits Mitte
der 1970er Jahre Ziel französischer Tiefenalpinisten
und wurde bis in eine Tiefe von –827 m erforscht, wobei rund 2,5 km
Ganglänge überblicksmäßig dokumentiert
wurden. Mitte der 1980er Jahre begannen
Mitglieder des Vereins für Höhlenkunde in
Wien und Niederösterreich im Rahmen
einer systematischen Erforschung der
Tauplitz–Schachtzone auch mit der weiteren
Erforschung und Vermessung des
bis dahin nur dürftig dokumentierten
Burgunderschachts. Bis 1992 wurden insgesamt
10.055 m Gangstrecken bis in eine
Tiefe von –523 m aufgenommen und in
einer Monographie über das Gebiet zusammengefasst
(Herrmann, 1993). Die seit
damals mehr oder minder kontinuierlich
weitergeführten Forschungen ließen die
Ganglänge auf den aktuellen Stand von
20.160 m anwachsen. Dies ist hauptsächlich
Entdeckungen in den beiden Horizontalniveaus
um 1700 m und 1550 m
Seehöhe sowie der Verbindung zu zwei
benachbarten Großhöhlen, dem Wasserfallschacht
im Jahr 1994 und der Häuslerhöhle
(2003) zu verdanken. Die Kenntnisse über den Burgunderschacht haben sich
in den letzten 15 Jahren wesentlich erweitert,
und die Ähnlichkeiten und Unterschiede
mit bzw. zu anderen Höhlensystemen
im Toten Gebirge treten klarer
zu Tage. Die Anzahl mehrerer aussichtsreicher
Fortsetzungen, geplante Tiefenvorstöße
sowie die Möglichkeit der Verbindung
mit dem DÖF–Sonnenleiter–Höhlensystem bzw. dem nur mehr wenige
Zehnermeter entfernten Canyonschacht
lassen in den nächsten Jahren weitere Erfolge
und neue Erkenntnisse über die Höhle
erwarten.
10 Jahre Forschungen im Weißenbach-Höhlenprojekt
Ernest Geyer
1996 wurde das Weißenbach-Höhlenprojekt
vom Verein für Höhlenkunde in Obersteier
(VHO) für den südöstlichen Teil des Toten
Gebirges, dem Wascheneckstock, ins
Leben gerufen. In den vergangenen zehn
Jahren konnten in diesem Gebiet 60 Höhlen
bearbeitet werden, davon wurden 28
neu in den österreichischen Höhlenkataster
aufgenommen. Insgesamt konnten 6035 m
Höhlengänge vermessen und dokumentiert
werden. Bedeutende paläontologische Funde
wurden in der Großen Ochsenhalthöhle
gemacht. Im August 2006 war das Gebiet
der Hochangern erstmals das Ziel eines
VHO-Forscherlagers.
Die Eishöhlen im Gebiet der Kotalm im westlichen Toten Gebirge (Teilgruppe
1616)
Clemens Tenreiter
Seit 2004 wird im Gebiet um die Kotalm bei
Bad Ischl auf der Hohen Schrott (Teilgruppe
1616 im Österreichischen Höhlenverzeichnis)
höhlenkundlich geforscht. Das hier vorgestellte
Gebiet erstreckt sich auf der westlichen
Seite des Schrott-Massivs, vom Teuflingkogel über die Kotalm bis auf das Hochglegt.
Dieses höhlenkundlich bisher völlig
unbeachtete Gebiet wurde in den letzten
Jahren Ziel einiger Forschungstouren. In
zwei Jahren konnten 10 Höhlen mit einer
Ganglänge von insgesamt 431 m vermessen
werden. Bemerkenswert sind vor allem
vier Eishöhlen, die einzigen, die bisher in
dieser Teilgruppe entdeckt wurden. Charakteristisch
für das sich von 1400 bis
1783 m Seehöhe erstreckende Gebiet sind
vor allem fast undurchdringliche Latschenflächen,
aber auch Wälder und Almwiesen.